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Die Geschichte des Nik P. - Prolog

der Kosak wollte nicht nach Amerika... Letzte Ausfahrt Teufenbach; Es war der erste richtig schöne, warme Frühlingstag. Der Sonnenschein fuhr wie eine Granate durch das geöffnete Schiebedach und suchte >>

  sich seinen Weg direkt auf die winterlich blass zum Planeten gereckte Kopfhaut, und färbte meine drei Haare noch weißer als sie es ohnehin bereits waren. Sonne! Yes. Endlich Sonne! Ich werde mir sicher wieder die Glatze verbrennen Egal – Hauptsache, das Ende der Finsternis war angebrochen. Es soll Menschen geben, die es schaffen, den Winter einfach so durchzutauchen. Ich zähle definitiv nicht dazu. Im Spätherbst beginnt mir langsam der Lichtvermissungs-Depri den Nacken entlang zu kriechen, setzt sich rund um Allerheiligen fest und steuert als Autopilot die dräuenden, ungeliebten Rituale. Winterreifen montieren lassen, die Heizung checken, grämen, dass der Schwimmreifen um die Hüfte zu wachsen beginnt und sich wieder Gedanken über kleine Steine machen. Kleine, scharfkantige Steine, die sich in den Stollen der Schuhsohle festsetzen und mit hässlichen Knirschgeräuschen jeden noch so perfekt versiegelten Parkettboden in die Knie zwingen. Nein, ich bin kein Wintermensch.

Jetzt färbte die Frühlingssonne meine Stirn nahezu in Blitzlichtgeschwindigkeit feuerrot und es ging mir gut. Ich war unterwegs im Oberösterreichischen. Von der hochwassergebeutelten Stadt Steyr an der Enns schnurrten die 16 Ventile aus Mailand mit mir gemächlich Richtung Autobahn, als das Handy mit seinen unangenehmen Lauten wieder den Kontakt zur wirklichen Welt einzirpte. Den grünen Hörer drücken. Die kreischenden Schnattergeräusche aus dem kleinen Lautsprecher der Freisprechanlange stellten sich nach mehrfachem „wer?“-Brüllen als Heli heraus. Heli oder Helmut. Musikproduzent. „Eigentlich pervers“, dachte ich, während Heli als Heli zu erahnen war.

Da ist es unter Strafe verboten, beim Fahren ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren. Aber um etwas zu verstehen, musst du bei dem Teil, das dir die Strafe erspart, das Ohr direkt auf den Lautsprecher klemmen und um antworten zu können, das über den Rückspiegel angeklebte Mikro anbrüllen und trotzdem jeden Satz vier Mal wiederholen. Das Handy so ganz easy am Ohr haben, quatschen und dabei lenken wäre die weitaus sicherere Übung gewesen. „Heli!“, brüllte ich den Rückspiegel an. „Heli, ich versteh' gar nix. Ich ruf dich zurück“. Heli hatte mir vor einiger Zeit die Rohversionen der neuen Songs von Nik P. in die Hand gedrückt.

„Hast du Interesse, die Bio zu schreiben?“. Mal hören. Schreiben ist mein Beruf und auf Musiker-Bios bin ich abonniert. Das große Glück dabei: Ich kann es mir mittlerweile aussuchen, ob ich den Act ‚schreiben möchte‘ oder nicht. Ich kannte Nik von einigen Veranstaltungen. Wusste Bescheid über seine bisherigen Platten. Bisschen Schlager, ein Schuss Pop. Persönlich schätzte ich immer seine ruhige Art. Er war nie aufdringlich und kein gnadenloser Selbstvermarkter. Keiner von den Typen, die dir noch auf’s Pissoir nachlaufen, nur um loszuwerden, dass Mama, Oma und Tante
Lotte ihn für mindestens so talentiert halten wie Elvis Presley. Nik war da immer schon anders. Dezenter. Das machte ihn sehr sympathisch.
Ich fuhr rechts ran. Parkte neben einem Holzstoß, auf dem - wie die pure Verführung - eine alte Dose „Budweiser“ in der Sonne funkelte und rief Heli zurück. „Ich habe die CD gehört und will Dir ehrlich sagen, die neuen Songs sind so sehr neu, dass ich echt überrascht war. Der Mann traut sich ja auf einmal, Gitarren wie Gitarren klingen zu lassen.

Wahrscheinlich werden sie ihn beim Radio dafür hassen, aber ich find’s echt gut, was da abgeht. Er traut sich was. Ich will gern die Bio und den Pressetext dazu schreiben.“

Seit 30 Jahren arbeite ich im Musikgeschäft. Ich habe unzählige Pressetexte und Künstler-Biografien geschrieben. Meine allertiefste
Abneigung gilt den typischen (ich nenne sie) ‚Plattenfirmentexten‘. Hektografierte Waschzettel, denen meist zu entnehmen ist, dass der
Künstler geboren wurde, ein Instrument beherrscht und die ganze Welt geil auf seine Lieder ist. Diese Zettel liegen den CDs bei, wenn sie an die Medien ausgeschickt werden. Als Journalist bin auch ich Adressat solcher Papiere und ich wünsche jedem dieser Zettel ein glücklicheres zweites Leben als Danke-Taschentuch. Aber, wie immer, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich habe es mir jedenfalls zur strikten Regel gemacht, Bios nur dann zu schreiben, wenn ich den Künstler zuvor persönlich gesprochen habe,
spüre, wie er (oder sie) tickt. Ich muss den Mensch hinter dem Mikro erkennen können. Da ich nie Dinge in Bios schreibe, die so nicht stattgefunden haben, gilt es daher, die Ecken und Kanten zu finden. Sie stecken in jedem Leben. Oft sind sie verborgen, werden mit Kulissen verdeckt. Wie bei der Freilegung eines durch Zufall entdeckten Freskos wird aus der Stimme in einem Lied, einer Person in Bühnengarderobe, dem Gesicht auf einer Autogrammkarte ein Mensch mit all seinen Stärken, Schwächen, Visionen, Träumen.

„Hier ist die Mobilbox von Nik P. Bitte sprechen Sie jetzt...“ „Nik. Andy, hi. Heli hat Dir sicher gesagt, dass ich deine Bio schreiben werde. Lass uns treffen“. Ich brabbelte dem Nik Presnik also auf die Mailbox, bat um Rückruf. Dieser erfolgte prompt. „Ich will mit Dir persönlich sprechen.

Wir plaudern einfach, das Band läuft mit und dann schauen wir, was daraus wird. Was hältst Du davon?“ „Gerne“, antwortete Nik. „Es ist
nur so, dass ich jeden Moment wieder Vater werde und daher schwer weg kann.“„Kinder“, dachte ich, „Kinder halten sich nicht an
irgendwelche Terminkalender von Journalisten.“ „Kein Problem. Ich komme zu Dir. Wo soll ich hin?“ „Nach Teufenbach“, kam die Antwort.
„Zu mir nach Hause“. „OK“, dachte ich. „Last Exit Teufenbach. Murau ist nicht weit und die haben da ein gutes Bier“. Drei Tage später war
ich unterwegs über den Semmering. Steiermark. Vor Murau ging es links ab nach Teufenbach. Ein kleiner Bahnhof, Schienen, die ins Nirgendwo
führten, eine große Fabrikshalle, der Wirt an der einzigen größeren Kreuzung im Ort. Davor ein Wegweiser, der dem Reisenden die Straße
nach Sankt Blasen zeigt. Schmunzeln und schnell ein Foto von dem Schild. Wer weiß, für welche Story das Teil mal herhalten muss...?
Nik stand in der Türe des kleinen Holzhauses. Dunkle Balken, Blumen. Idylle. Er stellte seine Freundin vor. In der kommenden Nacht war
Vollmond. „Aufpassen“, sagte ich zu ihr. „Bei Vollmond wollen die Babys raus.“ Ich sollte nicht Recht behalten.

Direkt neben dem Haus steht ein weiteres. Da drin hat der Klaus, der Freund und Wegbegleiter von Nik, ein Studio hineingebaut. Stall Records.

Der Name ist Programm. „Hier drin“, erzählte Nik, „war einst wirklich ein Stall.“ Ich wusste nicht, ob ich die Originalität der Geschichte zur Namensnennung des Studios spannend oder popelig finden sollte. Urbane Menschen, so wie ich, Menschen also, die sich in Häuserschluchten herumtreiben, unter Parkplatzmangel leiden und den Klang der Großtadt als täglichen Soundtrack erleben, haben zu Ställen keine Beziehung.

Ich beschloss, mich als degenerierten Stadtidioten zu erkennen, stand im Stall, der jetzt ein Studio ist und sah, dass Nik glücklich war.
„Lass uns anfangen“, sagte ich zu Nik. Der ging zur Türe, schloss ab. „Damit uns niemand stört“, sagte er. Ich nahm den Recorder, drückte
den roten Knopf, brabbelte Gesprächspartner, Ort und Datum drauf und wusste nicht, welche mir völlig unbekannte Welt ich betreten würde.
Die Stunden verrannen. Nik erzählte über sich, sein Leben. Er baute Emotionen auf, leerte seine Erinnerungsspeicher. Ich wechselte Mini
Discs, Batterien wurden schwach und mein Kopf tat sich schwer, das Gehörte einteilen zu können. Es war so viel. Alles so anders als bisher.

Wie viele Biografien hatte ich bisher geschrieben? Eine Unzahl, aber hier hast du es das erste Mal mit einem Leben zu tun, das so völlig
anders verlaufen war als bisher gehörte Künstlergeschichten. Nik war völlig offen. Er sperrte sich gegen keine Frage. Ich spürte, wie schwer es ihm fiel, zum Teil verschüttete Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.

„Mein Gott“, dachte ich. „Worauf bist du hier gestoßen?“ Die Sonne ging unter. Erschöpfung machte sich breit. „Nik“, sagte ich. „Nik, das ist unglaublich. Ich denke nicht, dass wir das einfach in anderthalb Seiten packen können. Das geht gar nicht. Ich habe jetzt noch keine Ahnung, wie ich an deine Lebensgeschichte rangehen werde, aber sie ist definitiv mehr als anderthalb Seiten schwer.“

Als ich mich verabschiedete, ins Auto stieg und langsam vom Hof fuhr, sah ich im Rückspiegel einen 40-jährigen Mann, den ich bis dahin als
Schlagersänger kannte. Ein sympathischer Bursche, groß gewachsen. Singt halt seine eigenen Lieder. So what?

Last Exit Teufenbach hat mir einen völlig anderen Nik P. eröffnet. Ich fuhr auf der Bundesstraße Richtung Wien. Steirisches Industriegebiet. Nicht gerade der Speckgürtel der Nation. Sänger, Songwriter Nik P., eine neue CD....so paradox es klingt. Das war für mich plötzlich nebensächlich.

„Lass das ja so nicht den Nik wissen“, riss ich mich am Riemen. Ich hatte eine Welt betreten, die ich in ihrer Intensität bisher nicht kannte. Lieder sind das eine, das Leben das andere. Manchmal kreuzen sich Lieder und Leben. Treffen aufeinander und geben dann gemeinsam die Richtung vor. Man muss den Menschen Nik Presnik kennen und die Essenz seiner Lieder kristallisiert sich wie auf einem Bildschirm klar und deutlich heraus.

Es war mir plötzlich wichtig, dass so viele Menschen wie möglich erfahren, wie aus dem Nikolaus Presnik der Nik P. geworden ist. Schon aus dem Grund, weil sich dann mit ziemlicher Sicherheit einige überlegen werden, in diesem Zusammenhang noch mal das Wort ‚Schlagerfuzzi‘ zu verwenden.

Es war mir wichtig, über das Leben des Nik P. zu schreiben. Auch wichtig für mich selbst. (Andy Zahradnik, Autor und Musikjournalist)

Quelle: Ariola

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