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Madeline Juno - Was bleibt (Album am 06.09.2019)Dieses Album ist ganz anders als man denkt. Es schlägt Haken, macht uns was vor, streut Salz in die Wunden, öffnet Geheimtüren und fängt uns im letzten Moment auf. Es überführt uns mit Drama, überrumpelt uns mit der Wahrheit und stellt Fragen, auf die es keine Antworten hat. “Was bleibt” ist, wie gute Musik sein sollte: Man kann tanzen, ganz bei sich sein und den Kopf angeschaltet lassen. >>

„Ich bin einfach glücklich“, sagt Madeline Juno als sie sich zum Gespräch über “Was bleibt” setzt. Wir stellen fest, dass ihr letztes Album “DNA” (2017) bis dato stattliche 16 Millionen Streams verzeichnet und die Akustikclip-Trilogie aus “Schatten ohne Licht”, “Ohne Kleider” und “Phantomschmerz” haben auf YouTube mittlerweile über 7,5 Millionen Fans gesehen. Der heimliche Hit des Albums, “Schatten ohne Licht”, hat außerdem auf TikTok (Ex-Musically) knapp 45.000 User zu eigenen Videos inspiriert. Wir plaudern darüber, dass Maddys Look gerade ganz natürlich ist und sie „keine besondere Phase“ hat und darüber, dass es bei ihren ersten beiden Alben viel um Zwischenmenschliches ging und wie sich die Themen über den Wechsel in die deutsche Sprache auf der “Waldbrand”-EP und “DNA” immer mehr weg von Personenbezogenem entwickelt haben. Die Unterhaltung wird intensiver, als wir uns “Was bleibt” nähern und klar wird, wie oft sich die Verfasserin dieses Textes beim ersten Hören vertan hat. Verführt von Songs, die sich nicht sofort zu erkennen geben, die Maddy oft bewusst maskiert hat. Vielleicht, weil sie in ihnen mehr denn je von sich preisgibt oder vielleicht auch einfach, weil sie es kann - wenn man so virtuos mit Worten und Sounds spielen kann, stehen alle Wege offen. “Was bleibt” ist ein eher philosophisches Album, auf dem sich Maddy knallhart mit sich selbst auseinandersetzt und ein üppiges Labyrinth, in dem sich jeder seinen eigenen Ausgang suchen kann.

“Grund genug” war der Auslöser für dieses Album. Der Song handelt davon, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen und loszulassen, was einem nicht gut tut. Der Track klingt nach klassischem Beziehungssong, ist es aber keineswegs: Es geht um eine schmerzliche berufliche Trennung in einem Business, in dem Vertrauen ein so wichtiges wie seltenes Gut ist. „Ein Teil meiner Karriere, also auch meines Lebens, ging so zu Ende. Unterm Strich also: ‚Danke für gar nichts, den Rest finde ich allein.’“

„'Automatisch‘ ist einfach eine coole Nummer, die Spaß macht!“, sagt Maddy voller Vorfreude - und lockt uns damit wieder genüsslich auf die falsche Fährte. Was auf den ersten Blick wie ein herrlich tanzbares Liebeslied klingt, ist tatsächlich eine Beschreibung dessen, was Depressionen mit einem machen. „Ich kämpfe schon mein Leben lang damit“, erklärt sie so offenherzig, dass man unwillkürlich schlucken muss. „Mich beschäftigt diese Hass-Liebe, diese regelrechte Art von Beziehung, die man mit der Depression hat. Mit diesem ungesunden Gefühl, das sich trotzdem beinahe wie eine Umarmung anfühlen kann.“

“Vor Dir” nimmt ausnahmsweise den direkten Weg. Ein mitreißendes, unverblümtes Liebeslied zu dem man bestens abgehen kann. Vermutlich, weil es eine durchtanzte Nacht heraufbeschwört, die wirklich stattgefunden hat und eine große Liebe, die tatsächlich existiert. „Es geht um die Momente, in denen alles um einen herum keine Rolle spielt, und man auf keinen Fall nach Hause will, weil es so schön ist.“ Ein Track, der nach dem perfekten Freiraum schmeckt und sich wie „für immer“ anfühlt.

In Musik getaucht hat Maddy das alles erneut mit Oliver Som, der sich schon bei den letzten Releases als perfekter Writing- und Producing-Partner herausgestellt hat. Gemeinsam und gänzlich unabhängig bauen sie ihre markante Soundwelt aus verspieltem Elektro und souveränem Pop um weitere Umlaufbahnen aus und aktualisieren ihre Kompositionen um das, was sie jetzt gerade inspiriert. Mit noch mehr Freiheit, noch mehr Selbstvertrauen und jeder Menge doppelten Böden. „Was bleibt“, fragt sich Madeline Juno - diese zwölf Songs, möchte man antworten.

Quelle: Embassy of Sound and Media / Warner Music