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Radio VHR - Deutsch Pop + Deutsch Rock

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Ansa Sauermann - Weiße Liebe (Album am 18.08.2017)Es ist möglich. Es ist möglich, dem von Böhmermann mit „Menschen Leben Tanzen Welt“ ironisierten Einheitsbrei-Pop, der sterilen Wegwerf-Pampe deutscher Provenienz unserer Tage zu entgehen und trotzdem breitenwirksam-poppig und unverschämt eingängig zu sein. Ein junger Mann mit einer unverwechselbaren, eigenen Stimme, einem Händchen für große ...

Melodien und dem Drang in seinen Texten nach existentialistischer Wahrheit zu suchen, wo andere bloß Phrasen dreschen, macht sich mit viel Aufbruchselan auf.

Ansa Sauermanns Erstlingswerk ist eine Ansage. Mit kraftvollem Songwriting, Rock’n’Roll-Attitüde und rauer Poesie nimmt er uns mit auf eine Reise; in einer Welt die aus den Fugen zu geraten scheint, hält er innere Einsicht, die stetige Arbeit an einem selbst und den weitest gehenden Verzicht auf Ironie und Sarkasmus für die einzig probaten Gegenmittel zur allgemeinen Lethargie und Hoffnungslosigkeit.

Liebe, Anstand und Verantwortung sind Begriffe die im aktuellen Pop-Diskurs nicht gerade „hip“ sind. Umso wichtiger dass die nun einer ohne den Einsatz von Moralinsäure anpackt.

Dabei ist Ansa selbst ein verschmitzter Lausbub und kein Oberlehrer. Ein charmanter Verführer. Ob Erfahrungen mit psychedelischen Substanzen im „Treptower Park“ oder durchtanzte Nächte („Tanzt“); Ansa ist jung und beschreibt neben aller Tiefgründigkeit auch gern die eskapistischen Abenteuer in die er sich zur Zerstreuung stürzt, so wie so viele von uns.

Es ist also möglich. Zwischen steril-platter Konservenmusik und bierernstem Diskurspop kann es auch einen Mittelweg für deutschen Pop geben.

Dieser jungenhafte Sturm & Drang gepaart mit der allgemeingültigen, humanistischen Botschaft erinnert an den ganz jungen Bruce Springsteen, wäre der Boss nun mal nicht aus New Jersey sondern aus Dresden, wo Ansa her ist, jener Stadt der er mit „Tal der Ahnungslosen“ ein ambivalentes Lied auf den Leib schreibt.

Die Musik seiner exzellenten Backing-Band reißt mit, folgt dabei keinen Trends sondern bemüht sich um ein möglichst zeitloses Korsett für Ansas Songs.

Kein Gramm Fett oder Pathos ist hier zu viel, selbst wenn es hymnisch wird, so wie in dem majestätischen „So weit“, für viele Fans der Höhepunkt eines jeden Ansa-Konzerts und ganz sicher auch einer der Höhepunkte dieser von Paul Gallister (unter anderem Wanda) produzierten Platte.

Vor diesem Grande Finale warten mit „Reise“, „Geist“, „Siebenleben“ oder auch „Julia“ leichtfüßige Kracher am Fließband und machen „Weiße Liebe“ somit vielleicht zu jenem Album, welches der deutsche Pop 2017 dringender braucht(e) als jedes andere.

So oder so ist es das starke Debütalbum eines Künstlers von dem wir noch viel hören werden!

Quelle: SMD/ Columbia

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