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Sion Hill - Elephant (Album am 25.08.2017)„Be Young, Be Foolish, Be Happy“: Ein echter Soul-Klassiker, aber auch genau das, was Sion Hill im Sinn hat. Für den jungen Iren bedeutet das ganz konkret: Nicht auf das hören, was andere sagen, überall pennen können, David Guetta hassen, aber die Arctic Monkeys lieben, Stunden damit zubringen, die Glanzpunkte von Thin Lizzy und Them zu studieren, ...

seine Led-Zeppelin- und Pink-Floyd-Alben vom vielen Hören ausleiern, einen Irish Pub zum Erstarren bringen und neu definieren, wie Pop produziert wird.

Der Glanzstart, der Sion Hill geglückt ist, wird durch die Veröffentlichung seiner ersten Single NOTHING’S WRONG WITH LOVING YOU auf Clouds Hill erst so richtig bestätigt – ein fantastischer Song und ein betörender Vorgeschmack auf das, was uns auf ELEPHANT erwartet, dem kommenden Debüt dieses unverschämt talentierten Jungen. Das Album hält zwölf umwerfende Tracks voller Soul, Pop, Gospel, Country, Folk und Funk bereit und zeigt Sion Hill als Künstler, der sein Herz aufrichtig gern auf der Zunge trägt und in Songs fließen lässt, die zu gleichen Teilen ungemein reif und zeitlos klingen. Wie er das anstellt kaum 20 Jahre alt? Ich erzähl’s euch . . .

Sion Hills Geschichte beginnt im Herzen von Dublin, genauer gesagt in einem proppenvollen Pub namens Sweeney’s Bar. Bewaffnet mit nichts außer seiner Gitarre und einem alten Mikrofon spielt er sein Set in einer Ecke ganz hinten im Raum, wo die Tische klebrig sind vom Bier und die Schürze des Kochs von nicht immer siegreichen Gefechten in der Küche erzählt. Schon klar: Für solche Gigs gibt es Pubs. Doch Sion Hill ist kein gewöhnlicher Pub-Musiker. Und wenn du jemals in Irland warst, dann weißt du eh, dass sich die Live-Szene dort auf einer völlig anderen Ebene befindet.

Da steht er also, Sion Hill, und schüttet sein Herz aus. Er singt den Laden zum Stillstand. Und plötzlich weißt du nicht mehr so genau, welches Jahrzehnt wir gerade haben. Dieser Kerl hat was vom jungen Elvis, findest du nicht auch? Hab‘ ich nicht irgendwo gelesen, dass der King irische Wurzeln hatte? Moment mal, ist das nicht doch eher Gospel aus dem tiefsten Süden? Oder bluesiger Soul aus New York?

Es wird ruhiger und ruhiger in Sweeney’s Bar, selbst Bier traut sich niemand mehr zu bestellen. Ich muss wohl nicht sagen, dass das eine Situation ist, so selten in Irland wie ein Sommer ohne Regen. Alle hören Sion Hill zu. „Was für großartige Songs!“, denkt sich ein glückliches Mitglied des Pulks. Er erzählt einem Freund von dem Erlebnis, der zufälligerweise für A&R bei Clouds Hill zuständig ist und Sion Hill umgehend nach Hamburg einlädt. Warum? „Es gibt viele Songwriter da draußen – aber der hier ist etwas ganz Besonderes.“

Also macht sich Sion Hill auf den Weg nach Hamburg, betritt das weltweit renommierte Studio Clouds Hill Recordings und spielt eine Session. „Was dann passierte, war ziemlich seltsam“, erinnert sich der Produzent Johann Scheerer, der gerade erst Peter Doherty’s letztes Soloalbum produziert hatte. „Sion Hill sang seine Songs, spielte Gitarre – und ich war sofort tief in seiner Musik. Sion Hill brachte ungefähr ein Dutzend Songs zu uns ins Studio – und praktisch jeder von ihnen war eine Ausnahmeerscheinung.“ Ein klassisches Pop-Album nahm in Scheerer’s Kopf Gestalt an: „Solche Alben nimmt man in Schichten auf. Drums, Bass, Gitarre, Gesang – immer eins nach dem anderen.“ So machten sie es. Doch es fühlte sich nicht richtig an, also ging es zurück ans Reißbrett: Man nehme einen Raum, füge Sion Hill, Bass und Schlagzeug hinzu und… „Das war es! Auf einmal war es da!“ Dieses „es“ ist zeitloser Songwriter-Pop – mit einer Produktion, die weder extrem modern noch bemüht retro ist und dafür eine unglaubliche Vielfalt aufweist.

Noch dauert es ein Weilchen, bis das Album vollendet ist, weshalb hier und jetzt ein köstlicher kleiner Appetitanreger gereicht wird. Die zweite Single BEACHES trumpft mit funkiger Gitarre und einen aufrührerischen Revoluzzer Chor auf, BEFORE YOU GO ist die Geschichte eines Verlusts, erzählt mit der Traurigkeit des Blues, der Titeltrack ELEPHANT bugsiert den sexuell aufgeladenen Disco-Pop der Siebziger in den Zeitgeist, CIRCUS ist ein psychologisches, psychedelisches Finale, locker auf Augenhöhe mit Jeff Buckleys größten Momenten.

Quelle: Clouds Hill Recordings

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