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OMD - The Punishment of Luxury (Album am 01.09.2017)Das Album wurde in den jeweiligen Studios der beiden in Merseyside (Andy) und London (Paul) aufgenommen, endgültig abgemischt wurde das Ganze schließlich in Pauls Studio. Die jugendhafte Energie, die OMD schon immer ausmachte, bleibt auch auf Album Nummer dreizehn erhalten, auch wenn die Naivität und Begeisterung der Vergangenheit dieses Mal von einer eher ...

reflektierten und heiteren Stimmung abgelöst wird. „Auf dieser Platte ist es uns gelungen, wunderschöne Dinge aus Geräuschen und sich wiederholenden Klangstrukturen zu schaffen“, erklärt McCluskey.

Der Name des Albums geht auf ein Gemälde des italienischen Divisionisten Giovanni Segantini aus dem Jahr 1891 zurück, das in der Walker Art Gallery in Liverpool zu sehen ist, wo es auch Andy auffiel. Die Maltechniken des Divisionismus sind dem Pointillismus sehr ähnlich und so sind auf dem Segantini-Gemälde „The Punishment of Luxury“ zwei Frauen zu sehen, die aufgrund ihrer nicht standesgemäßen Einstellung bis zum Purgatorium in einer alpinen Landschaft schweben.

„Wir haben den Titel auf etwas Anderes übertragen“, erzählt Andy. „Kurz gesagt: den meisten Menschen in der westlichen Welt geht es heute wirtschaftlich sehr viel besser als ihren Vorfahren und doch sind wir nicht glücklicher als sie, weil wir die illusorische Ordnung der Religion und der königlichen Verordnungen durch die illusorische Ordnung des Marketings und die Propaganda der Werbung ersetzt haben. Jeder denkt, er habe noch nicht genug, und so haben wir jetzt haufenweise Dinge, die wir nicht brauchen, nur weil wir zum Kauf überredet werden. Wir alle sind unglücklich und verzweifelt - und genau das ist die ‚Strafe des Luxus‘.“

Als ihr langjähriger Schlagzeuger Malcolm Holmes im Juli 2013 auf der „English Electric“-Tour in der schwülen Hitze Torontos auf der Bühne einen schweren Herzinfarkt erlitt, gerieten OMD ins Grübeln. „Nachdem Malcolm fast gestorben wäre, waren wir so geschockt, dass es uns anfangs schwer fiel, etwas für ‚The Punishment of Luxury‘ zu schreiben“, sagt Andy. „Wir wollten auch nicht mehr live spielen, sondern ihm zwölf Monate geben, um zu sehen, wie es ihm dann geht. Wir wussten nicht, wie es weitergehen soll und brauchten ein ganzes Jahr, um wieder in die Gänge zu kommen.“ Malcolm, der bereits 1980 zu OMD gestoßen war, geht es wieder besser, aber die Ärzte haben ihm verboten, sich wieder hinters Schlagzeug zu setzen. Seit einem Jahr ersetzt ihn nun Stuart Kershaw, der auch in der Vergangenheit schon an einigen OMD-Songs mitschrieb, etwa am 1991er-Hit „Sailing On The Seven Seas“.

Im November 2014 standen zwei ganz besondere Shows im Museum of Liverpool auf dem Programm. Paul, Andy und der Keyboarder Martin Cooper spielten sowohl Lieder aus dem Höhepunkt ihrer experimentellen Phase, dem Album „Dazzle Ships“, als auch unbekanntere Tracks aus dem OMD-Repertoire, wobei sie Malcolm durch ein elektronisch programmiertes Schlagzeug ersetzten. Wenn man sich „Dazzle Ships“ anhört, merkt man, wie sich die Band wieder mit dem Material auseinander gesetzt hat und sich die Bedeutung des im Jahr 1983 erschienen Albums neu erschließt. „Noch einmal zu hören, was wir damals auf ‚Dazzle Ships‘ gemacht haben, bestärkte uns in dem Wunsch, verrücktere und unkonventionellere Dinge auszuprobieren – wir waren echt begeistert”, erinnert sich Andy. „Nach dieser Platte haben wir uns wieder zurückgehalten, weil wir dachten, wir wären zu weit gegangen.” Vielleicht waren sie damals aber einfach noch nicht weit genug gegangen.

„The Punishment of Luxury“ ist das Ergebnis jener wieder gefundenen Abenteuerlust, dem Entdeckergeist jener Tage. Nachdem sie mit „English Electric“ ein klassisches OMD-Pop-Album abgeliefert hatten - das wohl beste seit, nun ja, seit „Dazzle Ships“ - dachten Andy und Paul, es sei an der Zeit, im Studio risikofreudiger zu agieren und herauszufinden, wohin sie die Software und die endlosen Weiten der synthetischen Sounds führen würden. Ihr Comeback-Album „History Of Modern“ (2010) mit all seinen Unzulänglichkeiten hatte den Raum für einen Neuanfang geschaffen, einen tatsächlichen OMD-Reboot. Für Andy war „History Of Modern“ eine Feuertaufe, sogar von einer Wiederkehr war die Rede: „Es war eine Ideensammlung und es war auch einiges Rockiges dabei, aber wir wollten es doch etwas elektronischer gestalten.”

OMD waren schon immer Techno-Futuristen, jedoch haben sie nur selten so ungeschminkt elektronisch geklungen wie auf „The Punishment Of Luxury“, wo sie schon im Eröffnungsstück knarzende Elektrorhythmen mit den für die Band so charakteristischen fließenden Melodien vereinen oder Andys Blue Eyed Soul-Balladen „One More Time“ und „The View From Here“ in geschmeidige neue digitale Formen hüllen. Abgesehen von dem mächtig á la Kraftwerk nach vorne gehenden „Isotype“, lassen sich in dem unschuldigen Dahingleiten von „Kiss Kiss Kiss Bang Bang Bang“ auch Anklänge von Arpanet und Dopplereffekt finden, während das „As We Open, So We Close“ durch die perfekte Verschmelzung von Glitch-basierten Beats und McCluskeys Gesang besticht.

Ebenso wie „English Electric“ lotet diese Platte unterschiedliche Motive aus, doch schwingt in ihr auch immer ein Hauch von Wehmut und idealisierter Romantik mit, wie sie sowohl in der Gesellschaft an sich aber auch in intimeren Beziehungen zu finden ist. Pauls empfindsames Stück „What Have We Done“ richtet den Blick auf die letzten Züge einer langen Beziehung. Mit den höhnischen Zeilen „Mao Tse-tung and Uncle Sam, sold the world, bought the car, this time you’ve gone too far“ macht sich Andy in „Kiss Kiss Kiss Bang Bang Bang“ Gedanken über den Modernismus des 20. Jahrhunderts – und in „Isotype“ singt er von der internationalen Bildersprache, einem archaisch anmutenden System, das in den Dreißigerjahren entwickelt wurde, aber noch heute nachklingt. „Mir gefällt die Idee, Informationen auf ihre typographischen Elemente herunter zu brechen. Aber wenn wir Emojis verwenden, entwickeln wir uns in unserer Fähigkeit miteinander zu kommunizieren rückwärts.”

In dem Track „La Mitrailleuse“, der auch nach einem Gemälde benannt ist – gemalt wurde dieses vom britischen Futuristen Christopher Nevinson, es zeigt die Maschinengewehr-Schützen des Ersten Weltkriegs und Andy hat es im Imperial War Museum entdeckt – fügt sich ein militärischer Rhythmus aus Kanonenfeuer und Gewehrschüssen zusammen und Andy flüstert dazu: „Bend your body to the will of the machine“. Hierzu gibt es auch einen gespenstischen Videoclip, in dem Henning M. Lederer Nevinsons Soldaten zum Leben erweckt. „Precision & Decay“, eine weitere Collage, erzählt in Fragmenten die Geschichte vom Niedergang Detroits, vom einstigen industriellen Machtzentrum zur modernen Geisterstadt. „From luxury to landfill“, so huldigen Andy und Paul jener Stadt, die ihnen von Motown bis hin zu Techno so viel Freude bereitet hat.

„Wir haben uns gefühlt, als würden wir mit dem, was wir tun, die Welt verändern”, berichtet Andy von den Anfängen, als OMD mit ihrem ausgeflippten New Wave-Sound die Fernsehzuschauer bei „Top Of The Pops“ schockierten. Auch wenn ihre damalige Vision von Utopia sich nicht erfüllt hat, so bereichern die beiden mit „The Punishment of Luxury“ auch heute noch unser Leben.

Das neue OMD Album "The Punishment Of Luxury“ erscheint am 01.09.2017 als CD, Deluxe-Ecolbook-Edition, Super Deluxe Book, Vinyl, Download und Stream.

Quelle: SMA/ RCA Deutschland

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