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Stefan Jürgens - Was zählt (Neues Album in 02/2019)

Seitdem er in den neunziger Jahren mit der Mutter aller Comedy "RTL Samstag Nacht" das erste Mal Kultstatus erreichte, ist Stefan Jürgens eigentlich nicht mehr richtig auf die Bremse getreten. Allein seine Schauspielkarriere hat ihm dazu schon wenig Gelegenheit gelassen. >>

Doch weder seine Erfolge als Berliner Tatort Kommissar Hellmann oder als Major Ribarski in der Soko Wien/Donau, noch seine mehr als 30 Filme können seine umtriebige künstlerische Bandbreite vollständig abdecken. Mit 16 angefangen, schreibt der vierfache Vater nun seit 40 Jahren seine eigenen Songs und hat sich längst auch in der deutschsprachigen Musikszene einen gut klingenden Namen gemacht.

Nun erscheint sein fünftes Studioalbum "Was zählt".

Die zwölf Songs sind eine Reise durch seine Gefühls und Gedankenwelt in einer unruhigen und scheinbar immer undurchschaubareren Zeit. Im Titelsong und der ersten Single "was zählt" versucht er, das Zeitgeistige vom Beständigen zu trennen und seinen inneren Kompass danach auszurichten; denn was übrig bleibt, wenn es wirklich drauf ankommt, "was zählt, weiß jeder ganz allein".

Wir sitzen im Auto und fahren mit ihm mit 170 durch die Nacht zu seinem kranken "Vater", hören in "mein alter Tisch" was ihm Herkunft und Erinnerungen bedeuten und spüren seine Wut und seine klare Haltung in "jeder gegen jeden" über diese "vollgefressne Zeit-in der jeder gierig sich verrenkt". Die Balladen haben es in sich, etwa der "Dialog mit einem alten Freund" und der darin formulierten Herausforderung, sich selber treu zu bleiben. Aber auch die großen ,wuchtigen Nummern finden ihren Platz auf diesem Album, wie "irgendwo, nicht hier", einem lautstarken, hymnischen Apell, nicht allen Verlockungen unsrer total vernetzten Welt nachzugeben, denn "unsre Wünsche wie wir leben wollen-bestimmen nicht mehr wir-wir sind weit aus unsrer Welt gefallen-wir sind irgendwo, nicht hier". Natürlich bleibt bei seinem bewegten Leben auch der ewige Beziehungskampf nicht aus: in "keine Ahnung wie's geht" hat er "gar nichts gegen Nähe, nur was gegen Enge", bevor er versucht, seinen Frieden zu machen mit der Einsicht, dass das Leben auch im besten Sinne wohl immer "unvollendet" sein muss. Zu guter Letzt verbeugt er sich vor dem großen poetischen und politischen Rio Reiser mit "blinder Passagier", nicht ohne das Album mit seiner eigenen, glasklaren Haltung in "mein Lied" abzuschließen.

Aufgenommen in seinen zwei ständigen Wohnsitzen, nämlich Berlin und Wien, leistet "was zählt" auf gelungene Weise auch den Spagat zwischen den musikalischen Genres. Rhythmische Leichtigkeit wie in "unvollendet" wechselt mit großen Gesangshymnen wie "Vater" und mitreißenden rockigen Songs wie "keine Ahnung wies geht". Das Album trägt, wie schon "Grenzenlos Mensch", die Handschrift dreier Produzententeams: Bernd Wendlandt, Ingo Politz aus Berlin sowie Johnny Bertl und Manfred Schweng aus Wien.

Quelle: Scheibmaier & Schilling, 2018