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Seeed - BAM BAM (Album)Seeed haben ein neues Album gemacht. Es ist das erste dieser ganz und gar einzigartigen Band seit 2012 – das Ende einer Ära und ein mächtiges Statement für die Kraft des Neuanfangs. >>

Es ist ein bisschen wie die Mondlandung oder das Wunder von Bern: Wo warst du, als du zum ersten Mal Seeed gehört hast? Das Vibrieren der Bassline in deinem Bauch, der Gegenwind der Bläser in deinem Gesicht, der Beat direkt in deinem Herzen. Seeed ist eine Erfahrung. Und eine Band, die es nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit gar nicht geben dürfte.

Um Seeed wirklich zu verstehen, muss man sich noch einmal ihre Geschichte vergegenwärtigen. Ende der Neunziger Jahre finden elf Musiker in Berlin zusammen, um gemeinsam live zu spielen, als Band-Kollektiv und Partyeinsatzkommando ohne doppelten Boden. Es gibt keine Blaupause, keinen Masterplan, keinen Star, keinen Hit. Da ist nur die Mucke und der Moment und eine lose Idee, inspiriert eher von Marching Bands in New Orleans und Soundsystems in Kingston als von irgendwelchen Konzepten, die in den Planspielen der deutschen Musikverwertungsindustrie eine Rolle spielten.

Mit Ansage den Regeln trotzen steckt also tief in ihrer DNA, wie bei so vielen erfolgreichen Künstlern. Und mehr noch: Seeed haben sich in all den Jahren eine Welt geschaffen, in der ausschließlich ihre eigenen Regeln zählen. 2020 werden sie alleine in ihrer Heimatstadt sieben ausverkaufte Konzerte spielen. Nicht irgendwo, sondern in der Wuhlheide und der Waldbühne, den legendären Freiluftarenen im Osten und im Westen einer ausnahmsweise tatsächlich geeinten Stadt. Das macht knapp 150.000 Zuschauer – one amtliche deutsche Großstadt under a groove. Bam Bam? Kann man wohl so stehen lassen.

Seeed selbst sind solche Zahlen und ähnliche Pimmelvergleiche fremd. Ihre Gesten waren stets so klein wie ihre Bühnen gigantisch. Aber die Zahlen helfen, um die Bedeutung dieser Band zu begreifen. Im Land der Trash-Ikonen und gefallenen Helden haben Seeed es ganz nach oben geschafft, mit Positivität und gelebter Weltoffenheit. Wie wichtig das gerade heute wieder ist, muss man nicht eigens erwähnen. Seeed würden das nie so sagen, aber sie haben dieses Land auch ein wenig mitgenommen auf ihrem Marsch durch die Institutionen. Sie haben es verändert, mehr als jede Fanmeile das je könnte.

Sieben Jahre sind seit dem letzten Studioalbum “Seeed” vergangen. Das ist eine lange Zeit, nicht nur nach den Maßstäben des Instagram-Story-Zeitalters. Seitdem wurde beispielsweise Fortnite erfunden, Annegret Kramp-Karrenbauer und die seltsame Angewohnheit junger Menschen, vor Läden zu kampieren, um dort Sportschuhe zu kaufen. Dancehall – die Soundästhetik, die Seeed einst in Deutschland salonfähig machten – ist zu einem Standard im globalen Streaming-Pop geworden. Und Deutschrap, damals gerade erholt von einer schweren Krise, ist zum gefühlten Alleinherrscher über die Charts und Festivals aufgestiegen. Seeed haben dieses Genre immer auf Armlänge gehalten. Und doch haben sie es maßgeblich beeinflusst mit ihrer pointierten, von allen Klischees befreiten Art zu texten, mit ihrer Selbstverständlichkeit, das Deutsche mit allen möglichen Sprachen und Sounds zu vermischen, es so zu formen, dass es rund klingt und sogar auf der Tanzfläche Spaß macht. Popmusik aus D in ihrer heutigen Form: nie ohne dieses Team.

Wie also crasht man mit einem neuen Album die Party seiner Kinder? Seeed haben sich für den konsequenten, ja, den einzigen für sie denkbaren Weg entschlossen: Sie haben sich geöffnet und erneuert, um sich selbst treu zu bleiben. “BAM BAM” ist das erste Seeed-Album, das konsequent in deutscher Sprache geschrieben und performt wurde. Die Idee der Inklusion, die von Anfang an angelegt war im Seeed-Konstrukt, wird dabei radikaler gelebt als je zuvor. Nicht nur brachten mehr Mitglieder als je zuvor ihre Skizzen, Referenzen, Demos ein. Auch weitere Künstler aus dem erweiterten Familienkreis wurden an verschiedenen Stellen des Prozesses mit eingebunden. Es gab Jam- und Flashcamps mit befreundeten Songwritern wie Trettmann, Sway Clarke, Deichkind oder Daniel Stoyanov von der Band Malky. Die Songs wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Produzententeam The Krauts (u.a. Peter Fox, Miss Platnum, Marteria) ausgearbeitet. Deren Mitglied Monk – ein berüchtigter Verdichter und Verbesserer mit eiserner Hand am Rotstift – beteiligte sich auch an den Texten. Zudem finden sich auf der Platte Gastauftritte von Seelenverwandten wie Nura oder Trettmann. Der Sound ist Seeed, klar: urbane, voluminöse, weltgewandte Popmusik mit Berliner Attitüde und Einflüssen von London bis Lagos. Vor allem aber ist er 2019. “BAM BAM” klingt nach Aufbruch, nach Aufsteh’n, Rausgeh’n, die Welt ein bisschen bunter und besser machen.

Die erste Single “Ticket” swingt zwischen Afrobeats und, äh, Dreampop, mit dieser speziellen Mischung aus leiser Melancholie und bedingungsloser Lebensbejahung, die Seeed über die Jahre perfektioniert haben. “G€LD” basiert auf einer Neuinterpretation des Jahrhundert-Riddims “Diwali” – eine Reminiszenz an die Wurzeln der Band in der Berliner Dancehall-Szene der neunziger und nuller Jahre. Die Feierhymne “Love & Courvoisier” dagegen kommt mit meisterhaft hingerotzten Trap-Adlibs und der Wucht von Grime. Bam Bam. “Immer bei dir” schließlich ist die längst überfällige Zusammenkunft mit Trettmann, Seeeds gefühltem Statthalter im Autotune-La-La-Land der Jetztzeit. Drei einzigartige Stimmen auf einem in jeder Hinsicht einzigartigen Song: Die Bausteine sind formell Dancehall-Reggae, in ihrer Gesamtheit aber ergeben sie eher ihr eigenes Genre – und einen klugen, klaglosen Kommentar zur Hektik-Mektik unserer Zeit noch dazu. Peter Fox meint es zwar anders in diesem Fall, aber fasst es doch perfekt zusammen: “Alles fresh, alles neu, big pimpin’!”

Auch “Lass sie gehn”, die zweite Single aus dem Album, ist nur vordergründig ein Trennungssong. In seinem Kern ist er ein Liebeslied für den Neuanfang. Wer will, kann die gesamte Platte so hören. Nach dem schmerzhaften Verlust Demba Nabés im Mai 2018 ist “BAM BAM“ das erste Album seit 2001, bei dem eines der elf Gründungsmitglieder fehlt. (Selbst DJ Illvibe, der die Band in Sachen Live-Aktivitäten 2004 verließ und von DJ Luke perfekt ersetzt wurde, war als Mitglied der Krauts auch danach immer am Produktionsprozess beteiligt.) So ganz immerhin fehlt er doch nicht: Ganz am Ende steht ein Song, den Demba lange vor seinem Tod in Englisch aufgenommen hat. Seeed haben ihn, praktisch unverändert, auf das Album genommen. Es ist eine Verneigung vor einem Freund und Freigeist, ohne den diese Band nicht wäre, was sie ist. Und es ist eine Verneigung vor der Macht der Musik, die nie endet. Nicht, solange es Liebe gibt und Menschen, die sie in ihren Herzen durch die Welt tragen. (Davide Bortot)

Quelle: BMG RIGHTS MANAGEMENT

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