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Max Giesinger - Die Reise (Album am 23.11.2018)Das Thermometer zeigt 34,7 Grad. Es ist vermutlich einer der heißesten Tage des Jahres. In Karlsruhe herrscht das absolute Verkehrschaos. Hupkonzerte und aufkommende Panik, zu spät zu kommen. Denn jeder hier hat nur ein Ziel: Den „Mount Klotz“, der sich heute noch in den größten Chor der Stadt verwandeln soll. >>

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Zur selben Zeit schwören sich fünf junge Männer auf den Auftritt ihres Lebens ein. Noch ein paar Minuten, dann ist es soweit. Endlich kommt der Moment, auf den sie so lange gewartet, auf den sie so lange hingearbeitet haben. Einer von ihnen: Max Giesinger. Er ist zurück in seiner badischen Heimat und fiebert gemeinsam mit seiner Band dem bis dato größten Auftritt seines Lebens entgegen. Hier aufzutreten, das hat er sich immer gewünscht. Der Platz ist rappelvoll. Max und seine Jungs klatschen sich ab und atmen noch einmal tief durch. Das Intro startet. Max betritt die Bühne. Davor warten bereits 40.000 Zuschauer.

Hinter Max Giesinger liegen die wohl verrücktesten zwei Jahre seines bisherigen Lebens. 2016/17 hat er über dreihundert Konzerte gespielt. Auf Bühnen in über 1.600 Metern Höhe, auf Marktplätzen und Burgen, in Clubs, einem Pferdestall und einem Bergwerk, in Schlossparks und Stadien, bis hin zum legendären Konzert bei „Das Fest“ in Karlsruhe. Über eine Million begeisterte Zuschauer wollten hören, wie „Der Junge, der rennt“ live klingt. Dabei legte die Band mehr als 120.000 Kilometer zurück. Das schafft man auch, indem man drei Mal die Erde umrundet. Das ist „Der Junge, der rennt“, ziemlich wörtlich genommen.

MAI 2014 - „LAUFEN LERNEN“

Es ist Freitag und eine drückende Hitze liegt über der Stadt Mannheim. Die WG in der Jungbuschstraße könnte auch mal wieder eine Generalüberholung vertragen. Fruchtfliegen tänzeln um das schmutzige Geschirr im Spülbecken. Am Küchentisch verpackt ein junger Mann 300 CDs in gepolsterte Briefumschläge. Seine CDs. Mit seiner Musik. „Laufen lernen“ hat er sie genannt. Nun liegen sie fein aufgereiht verpackt in einem Karton und warten darauf frankiert zu werden. Der Absender: Max Giesinger - und die Hoffnung auf Anerkennung.

Morgen hat Max noch einen Auftritt bei einer Hochzeit. Im Mai sagen viele Paare Ja zueinander und freuen sich auf musikalische Untermalung ihres Festes. Danach ist zum Glück noch Zeit für Straßenmusik in der Fußgängerzone oder am Wasserturm. Bei sonnigem Wetter die besten Plätze der Stadt. Die Fruchtfliegen nerven. Heute Abend wird er mal gründlich aufräumen müssen, aber die Postfiliale schließt gleich. Mit den ersten Exemplaren seines allerersten Albums macht Max Giesinger sich auf den Weg.

Im Mai 2014, viele Jahre nachdem Max für sich entschieden hat, dass es für ihn keine Alternative zum Lebensentwurf des Musikers gibt, schafft er es mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne sein erstes Album „Laufen Lernen“ zu veröffentlichen. Als Gegenleistung gibt er ein Jahr lang Wohnzimmerkonzerte, Gitarrenstunden und gratuliert vielen fremden Menschen am Telefon zum Geburtstag. Manchmal kommt er erst nach fünf Anrufen durch.

Das Stigma des „Castingshow-Teilnehmers“ haftet noch an ihm. 2011 wurde er Vierter bei „The Voice of Germany“. Danach wollen Plattenfirmen seine Musik nicht. Aber er hat keine Wahl. Er will unbedingt Musik machen. Seine Musik. Nicht mehr Warten. Selber Handeln. Schritt für Schritt nimmt seine Laufbahn als Musiker Fahrt auf.

MÄRZ 2018  - „DIE REISE“

Es ist so unglaublich heiß, dass man es in Thailand nur im Schatten aushält. Max liegt in der Hängematte und schlürft an einer eiskalten Kokosnuss. Die Uhrzeit hat er längst vergessen und welchen Wochentag wir gerade haben, weiß er auch nicht mehr. Das Meer rauscht leise. Sonst ist nichts zu hören. Nach den letzten Monaten ist diese Stille für ihn noch immer ungewohnt. Und dennoch haben diese sechs Wochen Auszeit gut getan. Endlich mal reflektieren, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Aber kann man das wirklich begreifen?

Es wird Zeit zu gehen. Max hievt den Rucksack über die Schulter, nimmt seine Reisegitarre und lässt noch einmal den Blick über das Meer schweifen.

Nach „Laufen Lernen“ hat er eine Plattenfirma gefunden, die endlich seine Musik unterstützt. Das zweite Album „Der Junge, der rennt“ bringt den ersehnten Durchbruch. Seine Reise hat rasant Geschwindigkeit aufgenommen. Mit der Single „80 Millionen“ gelingt Max Giesinger die Sommer-Hymne 2016, gekrönt mit einer Platinauszeichnung. Mit seiner zweiten Single „Wenn sie tanzt“ spricht er Vielen aus der Seele. Sie erreicht Goldstatus und wird bis dato siebzigtausend Mal im Radio gespielt. Auch die Singles „Roulette“ und „Nicht so schnell“ sind absolute Radiohits.

Diese Erfolge zeigen die enorme Vielschichtigkeit des Albums und sorgen dafür, dass sich „Der Junge, der rennt“ über 93 Wochen in der Top 100 der offiziellen Albumcharts hält. Mehr als 250.000 Mal verkaufte Exemplare bedeuten wieder Platin und Max wird u.a. mit der „1Live Krone“, den „MTV Europe Music Award“ und dem „LEA Award“ ausgezeichnet.


„BIST DU BEREIT“

Wie schnell die Zeit seit diesem Erfolg an Max vorbeigeflogen ist, lässt sich zumindest ansatzweise erahnen. Rasant war es, für Max, sein Team und die gesamte Live-Crew, allesamt Freunde, mit denen er teilweise schon seit zehn Jahren unterwegs ist. „Jeder Einzelne war bereit für das gemeinsame Projekt alles andere stehen und liegen zu lassen. Das hieß von jetzt auf gleich, für die nächsten zwei Jahre kaum zu Hause zu sein und sein Privatleben aufzugeben“, erzählt Max. „Das verdient meinen größten Respekt und ich bin total stolz und dankbar mit den besten Freunden unterwegs zu sein. Es ist, als ob man seine Familie gegen eine fünfzehnköpfige WG auf Rädern eintauscht.“

Den Großteil der Nächte haben Max Giesinger und seine Crew in diesen Jahren im Nightliner verbracht, dem Bus, der zur rollenden Wohnung wird. „Nachts ist man fast immer auf der Autobahn und schläft in einer kleinen Koje. Das hat sehr wenig mit dem romantischen Bild des „on the road“-Seins zu tun, das Viele im Kopf haben. Aber man wacht jeden Tag gemeinsam in einer anderen Stadt auf, lernt jeden Tag neue Leute kennen und ist jeden Abend wieder Teil eines enorm verbindenden Erlebnisses auf der Bühne.“

Während dieser Phase des ständigen Unterwegsseins, des immer wieder Aufbrechens und Ankommens, hat Max enorm viel erlebt, manchmal sogar den Überblick verloren. „Ich erinnere mich an einen sehr witzigen Moment. Es war vermutlich drei Uhr nachts als ich in meiner Koje aufgewacht bin. Wir standen mit dem Nightliner gerade auf einer Raststätte und machten eine Pause. Alle haben geschlafen. Ich hab den Bus in Boxershorts und Schlappen verlassen, um kurz die Toilette aufzusuchen. Als ich wieder kam, war der Bus weg. Das war natürlich leicht peinlich, als ich dann im Halbschlaf und kaum bekleidet in der Tankstelle nach einem Telefon fragen musste...“, lacht Max.

„ZUHAUSE“

Schon bei den ersten beiden Alben „Laufen Lernen“ und „Der Junge, der rennt“ ging es um Bewegung. Das dritte Album von Max Giesinger heißt „Die Reise“ und knüpft daran an. Bei seinen ersten Alben ging es ihm noch darum aufzubrechen, bloß nicht stehen zu bleiben. Jetzt macht sich Max Giesinger mit seiner dritten Platte zum ersten Mal bewusst, welchen Weg er hinter sich hat. Er reflektiert über die Phase des permanenten Unterwegsseins. „Die letzten Jahre waren für mich wie eine extreme Reise, in der man immer wieder an seine Grenzen stößt. Ich bin losgezogen und hatte keinen Plan, wohin mich die Reise führt. Man steht ständig vor Entscheidungen und muss eine Richtung einschlagen. Gar nicht so einfach, wenn es nicht unbedingt zu den Stärken zählt, Entscheidungen zu fällen“, meint Max.

„Das ständige Unterwegssein führt nach einiger Zeit auch dazu, dass man überall und doch nirgendwo so richtig Zuhause ist.“ Im Song „Zuhause“ greift Max persönlicher denn je die Suche nach einer Balance zwischen Aufbruch und Ankommen auf. „Mein Kopf will immer nur weiter, mein Herz sagt, dass ich Zuhause vermiss, wo auch immer das ist“. Es geht um die Suche nach dem, was Max auf seiner eigenen Reise zur Ruhe bringt. Das kann ein bestimmter Ort, Familie oder Freunde sein. Zumindest was den Ort betrifft, ist das bei Max jedoch so eine Sache. Auf die Frage, wann er das letzte Mal Zuhause war und gekocht hat, muss er tatsächlich etwas länger überlegen: „Mein Kühlschrank ist fast immer leer. Und wenn sich dort noch irgendwas vorfindet, ist es schon längst ungenießbar. Wenn ich mal Zuhause bin, geh ich lieber schnell beim Asiaten ums Eck was Essen. Den kenn ich inzwischen besser als jeden Supermarkt“.

Max Giesinger spielt im Song „Zuhause“ auch auf den Titel seines zweiten Albums an und lässt seinen Wunsch erahnen, doch irgendwann der Junge zu sein, der ankommt. Einige seiner alten Schulfreunde haben ganz andere Lebenswege eingeschlagen. Vielleicht sind sie sogar schon angekommen. Zufällig fand Max Giesinger ein altes Foto wieder, das seine frühere Clique aus der Zeit rund ums Abi zeigt. Zehn Jahre ist das jetzt her. Dieses Foto inspirierte ihn zum Titelsong des Albums „Die Reise“. Sofort flackerten Erinnerungen an die Freunde von damals auf, an die Sommer, die man zusammen verbrachte, bevor sich die Wege trennten.

Tim lebt jetzt in Freiburg, Tobi in Berlin. „Phillip wurde Anwalt, Hannah ist geblieben.“ „Die Namen stimmen, die Werdegänge auch“, sagt Max Giesinger. „Viele Menschen in meinem Umfeld sind gerade dabei eine Familie zu gründen, oder sich irgendwo niederzulassen. Michael Schulte zum Beispiel, mit dem ich jahrelang in einer WG gewohnt und zusammen Musik gemacht habe, hat gerade geheiratet und ist Vater geworden. Natürlich vergleiche ich manchmal die Lebensentwürfe miteinander, wobei es überhaupt nicht darum geht, dass der eine richtig und der andere falsch ist. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, der einen glücklich macht“.

Genau um einen solchen Weg geht es auch in der ersten Single „Legenden“. Max beschreibt die Flucht aus dem Alltag, auf einmal alles stehen und liegen zu lassen, um etwas Neues zu wagen. Das eigentliche Ziel ist immer klar, das macht der Refrain deutlich: „Wir suchen den Moment, wo alles stimmt / Wir für einen Augenblick Legenden sind.“ Dieser Reise muss nicht unbedingt mit einem teuren Flugticket verbunden sein. „Es geht in dem Song auch darum, sich gedanklich auf den Weg zu machen. Sich zu trauen, über den eigenen Schatten zu springen.“ Mit der Vorabsingle „Legenden“ hat Max Giesinger erneut einen Top 10 Radiohit gelandet.

„STILLSTAND ALS DER GRÖSSTE FEIND“ – „SCHON ZU LANG UNTERWEGS“

Nach zwei intensiven und sehr erfüllenden Jahren, ist es nachvollziehbar, dass eine Phase folgen musste, in der Ruhe einkehrt. Genau dafür entscheidet sich Max Giesinger im Frühjahr 2018. Sechs Wochen auf einer thailändischen Insel, fernab von Terminen und Verpflichtungen, kein Mensch weit und breit. „Klingt paradiesisch, oder?“, fragt er. „War es auch für eine gewisse Zeit. Aber schon nach ein bis zwei Wochen hat mir etwas gefehlt. Wenn das pausenlose Tourleben und Unterwegssein das eine Extrem ist, ist diese Abgeschiedenheit das andere und hat für mich wie eine Vollbremsung gewirkt“.

Und so geht seine Reise weiter. Es zieht ihn in belebtere Gegenden und dorthin, wo er eigentlich gerade erst herkam: Auf die Bühne. „Ich war fast jeden Abend in einer Strandbar, wo jeder auftreten durfte, der Bock hatte. Genau so habe ich ja früher angefangen. In kleinen Clubs und als Straßenmusiker mit meinen Lieblings-Coversongs. Mich kannte da natürlich niemand. Irgendwann hat mir ein Barkeeper den Tipp gegeben, dass ich das doch mal beruflich machen sollte“, lacht Max.

Es sind viele weitere seiner besonderen, persönliche Erlebnisse, die Max Giesinger in den 13 Songs seines neuen Albums „Die Reise“ erzählt: „Wenn ich etwas aus dieser Reise mitnehme, dann ist es die Erkenntnis, dass für mich eine gewisse Balance genau das Richtige ist. Weder das ständige Unterwegs- noch das Alleinsein machen mich glücklich, sondern die Mischung aus beidem und die damit verbundene Abwechslung.“

Und wenn Max Giesinger uns mit „Wir waren hier“, dem letzten Song des Albums, noch einmal seinen irren Trip der letzten Jahre bewusstmacht, der als Straßenmusiker mit Oasis-Covern begann, dann fällt einem auf, dass seitdem in seinem Leben ganz schön viel passiert ist. Es hört sich nach einem kurzen Innehalten, einer Reflexion des bisherigen Weges an, aber eines ist sicher: die Reise geht jetzt erst richtig los.

Lukas Mareth, Florian Gahm, Andrea Kinne & André Boße

Quelle: BMG RIGHTS MANAGEMENT