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Klee - Hello Again (Album am 14.08.2015)Vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Aus lauter Liebe“ erwartet uns am 14. August endlich ein Lebenszeichen von KLEE. Nicht einfach ein nächstes KLEE- Album, sondern ein Sommerausflug, eine Art musikalisches Fotoalbum, auf dem die Musiker um Suzie Kerstgens und Sten Servaes alte Lieblingslieder in ein überraschendes Gewand kleiden, das sie dem Bossa Nova abstreiften.

Ein für die Kölner Popband ungewöhnlicher Sound, den sie bei Studiospielereien auf dem Weg zum nächsten, offiziellen Album entdeckten.

Aber es kommt noch überraschender: bei den Lieblingsliedern handelt es sich um deutschsprachige Schlager. Um stilvolle, ursprünglich von Männern interpretierte Lieder, die mehrheitlich aus den sechziger und siebziger Jahren stammen. Viele sehr bekannte Stücke sind darunter: Howard Carpendales zum geflügelten Wort gewordene Wiedersehenshymne „HELLO AGAIN“ verleiht dem Album seinen Namen, Michael Holms schmissiges „Barfuß im Regen“ wird zur hingehauchten Kulisse zwischen Erotikfilm und Strandparty, während sich „Du bist nicht allein“ von Roy Black nachts um Drei in einer romantischen Großstadtbar verirrt. Auch die achtziger Jahre winken herüber, wenn Udo Lindenbergs melancholische Single „Ich liebʼ dich überhaupt nicht mehr“ im Bossa-Gewand entspannter denn je klingt, oder das berühmte „Ohne dich“ der Münchener Freiheit im luftigen Easy-Listening-Kleidchen elegant den breitbeinigen Pathos ablegt und dabei einen perfekt gemixten Drink schlürft. Hits Galore also! Aber auch weniger nahliegende Coverstücke, wie die deutschsprachigen Versionen von „Nathalie“ eines Gilbert Becaud oder „Butterfly“ von Danyel Gerard haben ihren Weg auf dieses ungewöhnliche Spätsommeralbum gefunden.

Und es wäre kein KLEE-Album geworden, wenn an manchen Stellen nicht um die Ecke musiziert, gesungen und gedacht würde. Mit dem abschließenden „Unser freies Lied“ des italienischen Sängers Lucio Battisti taucht zum Beispiel eine gänzlich unbekannte Nummer auf, die dem insgesamt leichtfüßigen Reigen am Ende eine unerwartete Tiefe verleiht und die beim Hörer über Albumlänge längst erzeugte Gänsehaut noch einmal um etliche geöffnete Poren erweitert. Oder wenn Roland Kaisers leicht frivoles „Manchmal möchte ich schon mit dir“ – von Suzie Kerstgens im Originaltext belassen – einen geschlechtlichen Perspektivwechsel durchmacht, der die beim deutschen Schlager so oft vorhandenen Grenzen mit Leichtigkeit niederschmettert.

Dennoch: „HELLO AGAIN“ wirft Fragen auf. Eine Antwort ist schnell gefunden: „WHY NOT, NE?“

(Gerhard Richter in einem Interview auf die Frage, warum er als Maler nun auch noch Skulpturen machen würde. Während der Aufnahmen von den Musikern zum geflügelten Wort erkoren)

Ein Blick zurück in die Bandgeschichte:

Mitte der neunziger Jahre starteten Suzie und Sten unter dem ersten Bandnamen Ralley ihre Karriere mit britisch orientiertem, von den sechziger Jahren beeinflusstem deutschsprachigen Gitarrenpop, der Bands wie „Wir sind Helden“ oder „Zweiraumwohnung“ zu inspirieren wusste. Der Wandel hin zu KLEE vollzog sich in erster Linie nach einem tragischen Unfall mit dem Bandbus, bevor 2003 das erste Album „Unverwundbar“ den neuen Grundstein für die Karriere als Popband legte. Ihr Sound führte sie vorbei an eindeutigen Ausflügen in den Dancefloorpop (bei Hits wie „Gold“ und „Zwei Herzen“) wiederum leichtfüßig zurück zu gitarrenbetonteren Stücken wie „Die Stadt“ und „Weil es Liebe ist“ – lauter „schöne“ Songs, unironisch, gefühlvoll, oft sanft und leicht.

Vor allem mit dem letzten Top-Ten-Album „Aus lauter Liebe“ streiften Suzie und Sten den klassischen Chanson. Auch das daraus ausgekoppelte „Willst du bei mir bleiben“ fand seinen Weg in die Hitlisten und brachte einen für die Band mit Indiewurzeln ungewöhnlichen Auftritt im öffentlich-rechtlichen Samstagabend-Programm bei Carmen Nebel mit sich. Auf diesem Weg haben KLEE immer geschafft, dem in deutscher Sprache nicht selten schwer wiegendem, ernsten Lied eine angenehme Leichtigkeit entgegenzusetzen – ohne dabei auf Tiefe zu verzichten. Eine Eigenschaft, die durchaus auch einigen Stücken des ursprünglichen deutschen Schlagers innewohnt.

Solche Songs finden sich nun auf „HELLO AGAIN“ wieder: „Lauter Lieder, die vor unserer Pubertät geschrieben und interpretiert worden sind, und die man immer wieder im Kopf hat, weil sie schon zu Hause bei den Eltern auf Vinylsingles liefen,“ erzählt Suzie. Auffällig ist dabei, dass es sich nicht um die großen Partyschlager handelt: nicht „Sieben Fässer Wein“ von Roland Kaiser kam in die Auswahl, sondern das gefühlvolle „Manchmal möchte ich schon mit dir“. Nicht „Aber bitte mit Sahne“, sondern „Immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens. Lieder, die eher einer „Deep Side of Schlager“ zuzuordnen sind und eine gewisse Melancholie transportieren – und die dennoch gerade in den KLEE-Versionen tanzbar sind.

Auch darum geht es bei diesem Album: „Ich brauche keine starren Mauern und Grenzen. Ich will nicht nur bestimmte Lieder hören, weil irgend etwas anderes uncool ist. Das war noch nie unsere Sichtweise. Wir mögen, wenn etwas aufreißt,“ sagt Suzie. Und Sten fügt hinzu: „Ich mag Musik, die man mitsingen kann und mitsingen möchte.“ So ist der Weg zu „HELLO AGAIN“ der Bandgeschichte nach nur folgerichtig. Und wirft im Grunde doch keine Fragen auf. Höchstens die, wie es dazu kam, all diese alten Lieblingslieder in ein Bossa-Nova-Gewand zu packen. Auch dazu ist eine Antwort leicht gefunden: Als KLEE während der Studioarbeit an ihrem kommenden offiziellem Album saßen (dessen Veröffentlichung für 2016 geplant ist), hat die Band für eine Fanta-Werbekampagne eine Coverversion von „Hello Again“ eingespielt. Neben der im Spot verwendeten Version entstand – mehr aus Spielerei – eine Bossa-Nova-Variante, die alle Musiker um Suzie und Sten nicht mehr losgelassen hat.

„Wir hatten bei der Aufnahme einen unglaublichen Spaß, uns auszuprobieren, und entwickelten zufällig ein gemeinsames Brennen für diesen Sound. Dann haben wir das noch mit anderen Stücken ausprobiert“, erinnert sich Suzie. Das blieb auch für die Plattenfirma kein Geheimnis, und schnell entstand die Idee, daraus auf dem Weg zum offiziellen Album ein weiteres „Sommeralbum“ zu planen. „Das lief dann plötzlich wie ein Zahnrad und entwickelte eine verrrückte Eigendynamik im Studio,“ berichten KLEE.

Auch Produzent Olaf Opal (Juli, Sportfreunde Stiller, ebenso beim vorigen Album „Aus lauter Liebe“ an den Reglern) war schnell überzeugt. Durch die arg begrenzte Studiozeit entstand in sagenhaft kurzen zwei Wochen „HELLO AGAIN“, das gerade daher in seiner inneren Geschlossenheit so leichtfüßig daher kommt – auch weil es frei und spielerisch entstanden ist, und nicht an einem Reißbrett nach Marketingschema entworfen wurde.
„Eine schöne Herausforderung war es, die ausgewählten Songs zu unseren eigenen zu machen. Vor allem bei den muttersprachlich nicht deutschen Interpreten wie Gilbert Becaud oder Adamo musste ich darauf achten, deren Akzent nicht mitzusingen,“ erzählt Suzie begeistert und ergänzt: „Die Originale sind ja bereits sehr starke Interpretationen. Das alles in einen KLEE-Kosmos zu bringen, obwohl wir musikalisch dabei ganz anders klingen wollten, war spannende Arbeit, mit der wir am Ende aber auch sehr glücklich sind.“

Im Grunde ist also alles ganz einfach: KLEE begeben sich mit „HELLO AGAIN“ auf einen sommerlichen Ausflug, mit einem alten Mixtape ihrer Eltern im Ohr. Im luftig-lockeren Bossa-Nova-Kostüm. Und „HELLO AGAIN“ ist so viel mehr: ein mutiges Album. Wenn man so will auch ein Schlageralbum. Und sogar ein Coveralbum. Das in Wahrheit gar keine Fragen aufwirft, sondern nur Antworten liefert: „WHY NOT, NE?“
Martin Steuer (Journalist und langjähriger, glühender Klee-Fan)

Quelle: Robert Larasser

JPC

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