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Jeden Tag Silvester: GeisterjägerstadtGroße Hymnen schreiben! Und trotzdem den Blick für die kleinen Momente, die den Weg säumen, nicht verlieren. Lernen, dass Ankommen und Unterwegs sein nicht widersprüchlich sein müssen, man manchmal im Leerlauf am schnellsten vorankommt und man Geister am besten immer noch selbst verjagt. Jeden Tag Silvester, vier Freunde aus der Stormarner...

Provinz, gründen sich 2008 und veröffentlichen 2014 in Eigenregie ihr selbstbetiteltes Debüt, das sie mit Sven Bünger (Johannes Oerding, Madsen, Tonbandgerät u. a.) in Hamburg aufnehmen. Der erste große Schritt weg vom Land, dem schon bald darauf viel Größere folgen. Als Support spielen sie für Silbermond, Mark Forster und Johannes Oerding. Für Schleswig Holstein geht’s zum Bundesvision Songcontest 2015 auf den 10. Platz, mit der Single „Dein Glück“ ins Radio (RSH, NDR u. a.) und zu eigenen ausverkauften Shows u. a. in der Prinzenbar oder dem Knust. So die Geschichte der letzten Jahre von außen, im Schnelldurchlauf. Dazu die viel Entscheidendere, nämlich die einer Band, die sich – wie sollte es anders sein – über all diese Erfolge freut, die aber vor allem Musik machen will, live spielen will. Die auf einen künstlichen Habitus pfeift. Die wie Brüder zusammenhält, sich nicht scheut sympathisch zu sein, das Leben aus vollem Herzen zu bejahen und darüber Songs schreibt. Darüber, dass Optimismus eine Waffe sein kann! Fast immer.

Denn natürlich sind da trotzdem immer wieder Dinge, die nachdenklich stimmen. Und so finden sich auch auf dem zweiten Album GEISTERJÄGERSTADT diese Gradwanderungen, denen man sich mit den verstrichenen Zwanzigern vielleicht vermehrt gegenübersieht und die mit dem zweiten bisweilen in den Vordergrund drängen, doch am liebsten auf dem Seil tanzend verarbeitet werden. Denn, wie Bertram Ulrich (Gesang, Klavier) erzählt, gilt für JEDEN TAG SILVESTER vor allem eines: „Das wirksamste Mittel gegen die Angst ist Leben! Immer weiter laut sein für das Gute. Gemeinsam einen Raum, eine Bühne schaffen, fürs Schwerelose – für uns und für den, der dazukommt und mitfeiert.“ So geht es in „Wir lassen los“ um diesen Moment, in dem einen nichts mehr davon abhalten kann, jede Hürde zu nehmen („Bergauf, fahren wir im Leerlauf“), in denen einen selbst eine heimlich immer schneller werdende Welt nur noch von hinten sieht. Die Vergangenheit und die Eindrücke dieser Welt mitnehmen, natürlich, wohin auch sonst damit – aber nicht als Schwerlastgepäck.

Dass es dabei nicht darum geht, sich mit Scheuklappen abzuschirmen, zeigt sich dann in Songs wie dem titelgebenden „Geisterjägerstadt“. Hier blicken JEDEN TAG SILVESTER konkret auf all jene Entwicklungen, die es der Euphorie schwer machen („Da ist so viel Angst, so viel was uns verschreckt / aus Stille wird Panik, aus Liebe wird Hass“), in denen sich zu verlieren, aber zu einfach wäre. Und so heißt es „komm wir verjagen alle Geister, wir befreien die ganze Stadt“. Ein Aufbruch, aus Überzeugung, denn „wo so viele Schatten sind, ist ganz bestimmt auch Licht“. „Es gibt schlichtweg nur Optimismus für uns. Mag naiv klingen, aber Jammern und Jaulen löst bei uns irgendwas zwischen Ärger und einem leichten Schmunzeln aus. Inzwischen! Wir waren da mal anders, melancholischer, aber, wenn man glücklich ist lernt man ganz schnell, dass das nicht von schlechten, sondern von den schönen Gedanken kommt!“

Die Momente als Antrieb, die nicht jeder sehen kann („Zuhause“), das eigene Herz jedoch umso klarer. Das Wissen, dass man Schwimmen nicht vom Beckenrand aus lernt („Kaltes Wasser“) und Freiheit immer auch mit dem eigenen Blickwinkel zusammenhängt („Schwerelos“). JEDEN TAG SILVESTER begeben sich mit dem neuen Album also einen Schritt weiter raus aus der Komfortzone, ohne hinzufallen. Im Gegenteil, man steht hier besser, blickt weiter!

Eine Entwicklung, die man auch im Musikalischen hört. Denn wurde auch auf dem Debüt bereits die Leidenschaft für Hymnen deutlich, gibt es mit den neuen Songs nun auch noch einige Momente mehr, in denen das Herz den direkten Weg voraus nimmt. Coldplay, Killers – sie alle spielen eben noch tragende Rollen, dort wo die Songs entstehen, wo der Faden beginnt, der sich durch das zieht, was JEDEN TAG SILVESTER jetzt sind. Der sich aber noch konsequenter um die kleinen Details wickelt, die man dem Ganzen noch beigefügt hat, um die elektronischen Ausflüge („Schwerelos“, „Kaltes Wasser“) oder um den Groove, den man sich bei Peter Gabriel abgehört hat.

JEDEN TAG SILVESTER haben ein Album geschrieben, das all jene Momente mit hinauf auf das Seil nimmt, auf dem man zu den selbst geschriebenen Pophymnen tanzt. Dorthin, wo Ballast in Startenergie gewandelt wird, wo man ankommen kann, um weiterzugehen. Wo man jetzt steht, sich wohl fühlt, aber dennoch nicht stehen bleibt. An dem Punkt holen JEDEN TAG SILVESTER dich ab!

Quelle: Chef Rekords Ratekau

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