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Die Fantastischen Vier - Captain Fantastic (Album am 27.04.2018)Captain Fantastic ist dabei ein anderer Typ als Elton Johns Kunstfigur aus dem Jahr 1975, und er ist ebenfalls ein anderer als Viggo Mortensens Filmcharakter im gleichnamigen Comedydrama von 2016. Captain Fantastic ist auch keine Comicfigur aus einer der weniger bekannten Ecken des Marvel-Universums, auch wenn der Name tatsächlich nach einem angenehm unneurotischen Superhelden ohne nennenswerte Erzfeinde klingt.Er ist auch keine Person. >>

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Er ist nicht einmal eins von diesen Wortspielen auf der Grenze zwischen Spaß und Ernst, mit denen Die Fantastischen Vier in der Öffentlichkeit über ihren Legendenstatus scherzen würden. Captain Fantastic ist eine Geisteshaltung.

Dass Die Fantastischen Vier unter direkter Sonneneinstrahlung am besten gedeihen, gilt natürlich schon seit 1989, doch damals waren es ganz andere Zeiten. Deutscher Hip-Hop ist längst von der popkulturellen Nische in die Mitte der Bühne gewandert. Inmitten einer Musiklandschaft, in der in Deutschland höchstens noch der Schlager ähnliche Verkäufe generiert. Hip Hop ist über vierzig Jahre alt, immer noch erfolgreich, genreübergreifend, und die relevanteste Jugendkultur, auch wenn Hip Hop nun wirklich nicht mehr der heiße Scheiß ist, der es mal war.

Was können die Ober-Oldschooler, die die Fantas nun mal sind, dem alten Onkel Hip Hop denn noch abgewinnen? Ist das Thema nach all den Jahrzehnten denn nicht wenig spannend geworden? Die Antwort ist ein Zitat von „Captain Fantastic“: „Hip Hop ist mehr als Pimmel und Image“ („Aller Anfang ist Yeah“). Die Fantastischen Vier besinnen sich auf die traditionellen Tugenden des Sprechgesangs: Wortspiele, Pointen und Reime, gelegentlich durchaus politisch jedoch immer humor- und skillful. Das ist doch der Stoff aus dem die Fantas seinerzeit gemacht wurden.

Verstärkt mit Freestyle-König Samy Deluxe, Hookliner Curse und Punchliner Damion Davis schlossen sich die Fantastischen Vier zu einem Texter-Think-Tank zusammen und verwandelten sich von Routiniers zu entfesselten Reimemonstern. Obendrauf erweitern auch Beginner Denyo und sein Berliner Texter Buddy Sera Finale für einen Track die Lyric Liga. Man kann sagen: Captain Fantastic has entered the Building.

Das ist was der Captain ist. Ein guter Geist, ein Spirit, eine Attitüde, die vorgibt: Vergesst alle Konventionen und Erwartungshaltungen. Es ist ein Appell an die künstlerische Freiheit und als unsichtbare Superkraft eint er die Band und ihre Hörerschaft seit bald 30 Jahren.

Musikalisch ist man weitgehend bei den Produzenten der letzten Alben geblieben, allen voran DJ Thomilla, der schon seit Stuttgarter Kolchose Tagen Mitte der 90er Freund und musikalischer Wegbegleiter der Band ist, und auch diesem Album wieder, typisch F4 Style, zwischen punchenden HipHop Beats und eingängigen Melodien, den Weg ebnet. Der Münchner Songwriter und Multiinstrumentalist Enik mischt wieder gewohnt episch mit, und mit dem Mindener HipHop Produzenten Duo Hitnapperz sowie den Hamburger Electro Rabauken Digitalism hat man die musikalische Familie spannend erweitern können.

„Captain Fantastic“ ist nicht nur das wortreichste Album der Fantastischen Vier; mit gleich vier Gast-Features ist es in dieser Hinsicht auch für die Band selbst das bislang luxuriöseste Album. Clueso, Flo Mega, Damion und Tom Gaebel geben sich die Ehre. Mit Clueso, ein persönlicher Band-Freund, liefern sie die überfällige Buddy-Hymne „Zusammen“. Flo Mega macht mit „Hot“ Nägel mit philosophischen Köpfen: „Das mit dem halbvollen Glas ist nämlich gar nicht so schwer/ Denn erst gießt du was ein und dann trinkst du es leer“. Tom Gaebels süffisante Sinatra-Stimme schwingt „Hitisn“ in einer Reprise-Version in die Verlängerung und dann wäre da noch „Weitermachen“, das letzte Stück des neuen Albums, der Rausschmeißer, der eigentlich ein Reinholer ist. Eine von Feature-Artists Damion Davis mit emotionaler Wucht rausgeschriene Zeile „Geh und folg deiner Sehnsucht/ Deine Seele ist deswegen hier“ ist die quintessentielle, legere und gleichzeitig vollkommen zurechnungsfähige Zusammenfassung von allem, was Die Fantastischen Vier bis dahin mit dicken Bässen, verrückten Reimen und infektiösen Refrains über Regeln brechen und Leben retten ausgesagt haben.

Ganz im Sinne des Großen Captain Fantastic.

Quelle: Columbia

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